SCHREIBEN IM STUDIUM
„Wissenschaftliches Schreiben entscheidet wesentlich über Studienerfolg und wissenschaftliche Karrieren.“
(Otto Kruse) *
Der Gegenstand
Wissenschaftliches Schreiben unterliegt bestimmten Anforderungen, Bedingungen und Konventionen. Dazu gehört beispielsweise, Thesen oder eine Forschungsfrage aufzustellen, seine Argumente zu belegen, Quellen heranzuziehen, zu diskutieren und zu interpretieren, Aussagen anderer Autoren zu zitieren und zu paraphrasieren, Bezüge zwischen Forschungsergebnissen oder -positionen herzustellen, eigene Untersuchungen verständlich darzustellen und auszuwerten etc.
Die Problemlage
Am Ende ihres Studiums sollen Studierende in der Abschlussarbeit zeigen, dass sie in der Lage sind, eine Aufgabe selbständig, unter Anwendung des Instrumentariums ihres Fachs und den wissenschaftlichen Anforderungen entsprechend bearbeiten zu können. Doch nur selten werden im Laufe des Studiums die notwendigen Kenntnisse, Arbeitstechniken und -strategien zum wissenschaftlichen Schreiben vermittelt. Und dies, obwohl ein großer Teil der Leistungsnachweise in Hochschulen schriftlich erbracht wird (durch Hausarbeiten, Essays, Protokolle, schriftlich ausgearbeitete Referate bis hin zur Abschlussarbeit). Wenn es darum geht, wie eine solche schriftliche Arbeit eigentlich zu planen, zu strukturieren und auszuführen sei, sind die meisten Studierenden sich selbst überlassen. Und so wissen viele Studierende oft auch in ihrem letzten Semester noch nicht richtig, wie sie ihre Arbeiten eigentlich angehen sollen, wozu sie ein Exposee gebrauchen können oder was mit der Technik des Exzerpierens gemeint ist.
Die Defizite, die Studierende hinsichtlich der ihnen im Studium gestellten Schreibaufgaben aufweisen, sind mittlerweile von der Schreibforschung mehrfach dargestellt worden. Insbesondere konzeptionelle Schwächen und mangelnde Stringenz zeugen davon, dass Studierende oft nicht genau verstehen, was von ihnen verlangt wird und nicht wissen, wie sie eine gegebene Schreibaufgabe lösen können. Dazu kommt, dass Studierende häufig nur eine ungenaue Vorstellung davon haben, was die Kriterien wissenschaftlichen Arbeitens sind. Die Schwierigkeiten beginnen oft schon bei der Themenwahl und reichen über die mangelhafte Entwicklung einer Forschungsfrage, den ziellosen Umgang mit Quellen und Zitaten sowie ein nicht existierendes Zeit-Management bis zu inkohärenten Gliederungen und Unkenntnissen, wie ein Text überarbeitet werden kann und muss. Hinzu kommt dann oft noch eine Reihe formaler und orthografischer Ungenauigkeiten, was alles zusammen das Lesen und Bewerten von Haus- und Abschlussarbeiten für Dozenten in vielen Fällen so mühsam werden lässt.
Viele Studierende machen übrigens die überraschende und irritierende Erfahrung, dass trotz zunehmender Schreiberfahrung die Probleme beim Schreiben größer werden, etwa bei der Abschlussarbeit oder der Promotion. Dies liegt an der zunehmenden Komplexität der Schreibaufgaben, für die die Schreibenden in größerem Maße über Strategien zur Bewältigung von Schreib- und Motivationsproblemen verfügen müssen als es für kleinere Hausarbeiten nötig ist.
Die Maßnahmen
Es erscheint dringend geboten, mehr Angebote zur Vermittlung des wissenschaftlichen Schreibens innerhalb und außerhalb der Hochschulen zu etablieren. Schreibdidaktische Seminare und gezielte Schreibberatung stellen hierfür adäquate Maßnahmen dar.